Ein Kulturdenkmal in HH-Duvenstedt.

die

Villa-Lichtwark

Wer war Pundlot ?

Vor einiger Zeit veröffentlichte Heinrich Kahl in dieser Zeitschrift (Nr. 4/1988) eine kleine niederdeutsche Erzählung unter der Überschrift "Spökenkieker in Duvenstedt: Pundlot - en gräsigen Kerl". Die so reizvoll dargebrachte Geschichte stimmt gleichwohl nachdenklich. Hat es in Duvenstedt tatsächlich einen Menschen gegeben, den man so schlimme Dinge nachsagen konnte? Lässt man das überlieferte Rankenwerk von offenkundigem Aberglauben, Bosheit und Übertreibung einmal außer acht, so wird gleichsam schattenhaft das Bild eines Menschen sichtbar, der einsam "ohn Fru un Kinner" in seinem Hause lebte.

 

Wer könnte nun "Pundlot" gewesen sein? Der Erzähler hat die Örtlichkeit hinreichend genau geschildert, um einen ersten Anhaltspunkt zu gewinnen. Geht man den Duvenstedter Damm hinunter, gelangt man bald an den "Kreuzweg". Kreuzwege spielten in Gruselgeschichten ja schon immer eine große Rolle. Blickt man sich dort um, so fällt das Haus "zwischen Damm und Redder" ins Auge: Specksaalredder 2. Wie ein Wachtturm thront es dort über der Kreuzung. Die heutige Stützmauer unterstreicht diesen Eindruck noch. Zu "Pundlots" Zeit, als Bebauung und Baumbestand noch nicht so dicht waren, wird der Ausblick von dort noch eindrucksvoller gewesen sein. Sehen Sie uns nun einmal die Eigentümerfolge dieses Hauses an, wie sie sich aus dem Schuldung Pfandprotokoll des Kanzleigutes Tangstedt und den Grundbüchern der Amtsgerichte Ahrensburg und Hamburg gewinnen lässt.

 

Begründer der Eigentümerstelle (im Stellenverzeichnis des Gutes Tangstedt von 1805 mit "c. 13" bezeichnet) war der Alsterschiffer Peter Christoph Krogmann aus Rade, der am 21. 12. 1802 eine Bescheinigung der Gutsherrschaft vorlegte, die ihm einen Platz zur Erbauung einer Kate anwies. Sein Sohn und Nachfolger Hans Peter Krogmann war offenbar in großer wirtschaftlicher Bedrängnis. Die Stelle wurde am 4.7. 1829 an Hartwig Timmermann von der Mellingburger Schleuse zugeschrieben. Dieser hatte als Hauptgläubiger die Stelle aus dem Konkurs des Hans Peter Krogmann für 400 Mark Courant gekauft. Er veräußerte sie 1832 weiter an Jochim Hinrich Iden aus Duvenstedt. Dessen Nachfolger wurde am 6. 9. 1855 sein ältester Sohn Jochim Friedrich Iden, welcher am 4. 4. 1883 unverehelicht und kinderlos in Duvenstedt verstarb.

 

Das Grundstück erwarb nun am 29.3.1884 Friedrich August Wilhelm Uhrlaub, Gutinspektor zu Wulksfelde. Weitere Eigentümer waren 1892 Jochim Friedrich Möller, Privatier in Duvenstedt, 1894 Carl Martin Daniel Jörgensen in Hamburg, 1917 dessen Sohn Hans-Otto Andreas Jörgensen in Hamburg, und schließlich am 2.9.1920 der Kunstmaler Paul Heinrich Wilhelm Lichtwark, dessen Nachkommen das Haus noch heute gehört.

 

Schon vor vielen Jahren hatte mir der alte Lehrer Johannes Körner berichtet, dass ein Angehöriger der Iden-Sippe wegen seiner Kleinheit den Spitznamen "Pundlot" führte.

 

In der Reihe der Eigentümer des "Lichtwarkschen Hauses" fällt nur bei näherer Betrachtung Jochim Friedrich Iden auf. Auf ihn treffen augenscheinlich wichtige Aussagen der Überlieferung zu. Er verstarb 1883 ohne "Fro un Kinner" . Die Volkszählungslisten nennen Jochim (demnach sein Rufname) Iden 1860 als Schuster und 1864 schlicht als "Arbeitsmann". Damals lebten bei ihm noch jeweils eine ledige Haushälterin sowie eine Tagelöhnerfamilie zur Miete.

 

Als ältestes von nur drei Kindern hatte Jochim Friedrich Iden 1855 das väterliche Erbe übernommen. Sein Vater starb bald darauf, seine Mutter und seine jüngere Schwester Anna Margaretha Elsa Iden waren schon nicht mehr am Leben. Er selbst war am 26.4. 1818 in Duvenstedt zur Welt gekommen. Sein jüngerer Bruder Hans Hinrich Iden lebte in New York. Johannes Körner hat ihn schon in den 700Festschrift (S. 14) als Wohltäter von Duvenstedt gewürdigt.

 

Die jetzige Eigentümerin des Hauses am Specksaalredder, Frau Eleonore Lichtwark, gibt das Alter des Hauses mit 150 Jahren an. Der Baustil weist jedoch eher auf die Zeit um 1900 hin, insbesondere erinnert der hölzerne, durchbrochene Giebelzierrat an den Jugendstil. Es ist wohl kaum noch das Haus, in dem "Pundlot" einstmals wohnte.

 

Hier kann das Haus von “Pundlot“ gestanden haben (Specksaalredder 2).

 

Von Jochim Friedrich Idens Vaterbruder Detlef Iden, dem letzten Iden auf dem Hof an der Farkenwisch, erzählte der alte Wilhelm Bohnhoff, ein Gewährsmann von Johannes Körner, daß er "hexen" konnte. Im "Stormarn"-Buch von W. Frahm und Bock von Wülfingen (S. 330) wird - ebenfalls unter Berufung auf Wilhelm Bohnhoff - ein nicht näher genannter "Hexenmeister in Duvenstedt" erwähnt, der "die Menschen in seinem Garten festbannen und zu Pudeln verwandeln konnte". Ähnliche Fähigkeiten wurden ja auch "Pundlot" zugeschrieben. Vielleicht sind beide sogar identisch. Aber böser Blick und Verwandlung waren schon von jeher unentbehrliche Requisiten des Aberglaubens!

 

War also Jochim Friedrich Iden der "Pundlot" und waren einzelne Mitglieder aus Iden-Familien besondere Merkwürdigkeiten eigen, die zu solchen Berichten Anlass geben konnten?

 

Der Verfasser dieses Berichts, selbst kein Duvenstedter, aber der großen Iden-Sippe durch seinen Urgroßvater verwandtschaftlich verbunden, würde sich über Mitteilungen freuen, die seine Vermutungen bestätigen oder berichtigen könnten.

 

Gustav Kölß