Ein Kulturdenkmal in HH-Duvenstedt.

die

Villa-Lichtwark

 

Eindrucksvoll dominiert es die Anhöhe an der Kreuzung von Duvenstedter

Damm, Duvenstedter Triftweg, Schleusenredder und Specksaalredder, die"Villa Lichtwark". Dass sie das heute noch kann, verdankt sie ihren neuen Eigentümern, Brigitte u. Wolfgang Krogmann, und der Kulturbehörde Hamburg. Schon früh war das Grundstück besiedelt. Herr Gustav Kölß schreibt in einem Artikel in dieser Zeitschrift im Jahr 1988 (Nr. 6),

der Begründer der Eigentümerstelle sei der Alsterschiffer Peter

Christoph Krogmann aus Rade gewesen, der 1802 die Erlaubnis erhielt,

an dieser Stelle eine Kate zu bauen. Als Baujahr des heute noch

exstierenden Hauses geben die Akten der Finanzbehörde Hamburg 1884 an.

Wer jedoch an dieser exponierten Lage das Gebäude errichten ließ, ist

nicht sicher belegbar. Herr Gustav Kölß schreibt in seinem oben

zitierten Artikel, ohne einen Bauherrn zu nennen, dass Friedrich

August Wilhelm Uhrlaub, Gutsinspektor zu Wulksfelde, das Grundstück am

29.03.1884 kaufte. Ein Enkel Paul Lichtwarks behauptet, der Bauherr

sei ein Schiffszimmerer aus der Hamburger Hufnerstraße gewesen.

Weitere Eigentümer waren nach Angaben von Kölß 1892 Joachirn Friedrich

Möller, Privatier in Duvenstedt, 1894 Carl Martin Daniel Jörgensen in

Hamburg und 1917 dessen Sohn Hans-Otto Andreas Jörgensen. Unklar ist

auch, wer letztendlich das Haus, nachdem es im 1. Weltkrieg mehrere

Jahre leer stand, am 02.09.1920 an Paul Heinrich Wilhelm Lichtwark

verkaufte. Sicher ist jedoch, dass bei der Vermittlung ein Freund

Lichtwarks, der Architekt Otto Ameis seine Hände im Spiel hatte. Aus

der Hamburger Richardstraße kommend zog Paul Lichtwark (09.01.1872

-1948) mit seiner Frau Ella und seiner unverheirateten Tochter

Eleonore (geb. 1902) in das Erdgeschoss des ehemaligen Sommerhauses.

Seine anderen drei erwachsenen Kinder hatten bereits einen eigenen

Haushalt. Paul Lichtwark war Maler und Lithograph. In seinem Atelier

im unausgebauten Dachgeschoss des Hauses arbeitete er mit vielfältigen

Techniken wie Öl, Aquarell oder Kreide. Als Motive dienten überwiegend

Landschaften und Portraits. Eines seiner Werke zeigt Alfred Lichtwark

(1852 -1914), den Direktor der Hamburger Kunsthalle. Die beiden Männer

sind Vettern gewesen, d. h. ihre Väter waren Brüder. Da die freie

Kunst kein regelmäßiges Einkommen garantierte, war Paul Lichtwark als

Zeichenlehrer in der Zeit vom 01.10.1912 bis zum Eintritt in den

Ruhestand am 17.03.1934 im Johanneum in Winterhude tätig. Das

Grundstück, das Lichtwark 1920 erwarb, war um einiges größer als

heute. Die Straßen Duvenstedter Damm und Specksaalredder waren schmal,

der Garten lief als Böschung einfach zu den Wegen hinunter. Als 1937

mit dem Groß-Harnburg-Gesetz Duvenstedt von Preussen an Hamburg fiel,

veranlasste die Stadt, die Verkehrswege auszubauen. Im Tausch gegen

einen Grundstücksstreifen ließ die Verwaltung eine Stützmauer am

Specksaalredder errichten .

 

Weitere Flächen fielen 1963 der Verbreiterung des Duvenstedter Dammes

zum Opfer: im Jahr 1961 war die Kleinbahn nach Wohldorf eingestellt

worden, als Ersatz sollte eine Buslinie bis nach Duvenstedt fahren. Da

die Straßenbreite für diese Fahrzeuge nicht ausreichte, wurden

wiederum einige Quadratmeter dem Straßenbau abgetreten und die

Stützmauer um das ganze Grundstück herum gezogen. Lange Jahre diente

das kleine Stallgebäude links neben dem Haus als Abort. Im Wohnhaus

wurde Wasser mittels handbetriebener Pumpe in der Küche gewonnen. 1938

zog etwas mehr Komfort ins Haus ein. Im Erdgeschoss neben der Küche

wurde ein Teil eines Zimmers zu einem Baderaum mit Badewanne,

Waschbecken und Toilette umgebaut. Der Kellerraum unter dem Bad soll

in dieser Zeit nachträglich unter dem Gebäude ausgehoben worden sein.

In der Umbauphase wurde auch der Windfang vor der hinteren Eingangstür

vergrößert, der dann auch einen Raum für die Lagerung von Kohlen

umfasste .

 

Heute steht an dieser Stelle der neue Wintergarten. Nach dem 2.

Weltkrieg, im März 1945, zog die aus Schlesien vertriebene

Lichtwark-Tochter Elisabeth Mathilde mit ihrem Mann Friedrich Thomas

und ihrem Sohn ins elterliche Haus. Die Familie baute sich im

ehemaligen Atelier im Dachgeschoss drei Zimmer aus. Im Erdgeschoss

lebten die Eltern sowie die Schwester Eleonore. Paul Lichtwark starb

1948, seine Frau folgte ihm 1957. Sie hinterließen das Haus ihren vier

Kindern, die unverheiratete Tochter Eleonore erhielt lebenslanges

Wohnrecht. Nachdem Elisabeth Mathilde Thomas im Jahr 1966 und ihr Mann

Friedrich 1971 verstarben - der Sohn Friedrich war schon 1958

ausgezogen - lebte Eleonore allein im Specksaalredder Nr. 2. Eleonore

Lichtwark war gelernte Kontoristin. Bis 1944 war sie bei der

Export-Firma Struckmann und Waege angestellt, später arbeitete sie bis

zu ihrer Pensionierung als Sekretärin an einer Schule in Volksdorf.

Ihr Einkommen reichte nicht aus, Haus und Grundstück in einwandfreiem

Zustand zu erhalten. Auch mit ihrer Gesundheit stand es nicht zum

besten. Am Haus wurde nicht einmal das Nötigste gemacht, sodass der

baufällige Balkon über der Eingangstür aus Sicherheitsgründen in den

90er Jahren abgerissen wurde. Nach einiger Zeit in einem Pflegeheim

verstarb die Großnichte von Alfred Lichtwark 1998 mit 96 Jahren. Ihr

Haus fiel an die Erbengemeinschaft der Kinder ihrer Geschwister und

stand erst einmal leer. Löcher klafften im Dach und Gerüchte vom

Abriss des Gebäudes und einer Neubebauung mit zwei Mehrfamilienhäusern

kursierten. Doch das Haus stand bereits seit dem 28.05.1996 unter

Denkmalschutz. Im Gutachten des Denkmalschutzamtes von 1995 heißt es:

"Wegen seiner stadtbildprägenden Eigenschaft und wegen seines

dokumentarischen Wertes für von der Großstadt geprägte Bauweise auf

dem Lande zur Zeit der Jahrhundertwende ist die Gesamtanlage aus

geschichtlichen Gründen und zur Bewahrung charakteristischer

Eigenheiten des Stadtbildes als Kulturdenkmal einzustufen. Ihre

Erhaltung liegt im öffentlichen Interesse." Damit war an eine

Beseitigung des Gebäudes überhaupt nicht mehr zu denken. Da die Erben

die Immobilie nicht selber nutzen konnten und wollten, wurde das

Grundstück im Jahr 1999 an die Duvenstedter Familie Krogmann verkauft.

Bis zum ersten Spatenstich im Dezember 2001 vergingen ein und ein

halbes Jahr, in dem der Architekt, das Denkmalschutzamt und die neuen

Eigentümer die Renovierung planten. Die Erbengemeinschaft hatte zwar

schon vor dem Besitzerwechsel das Haus gesichert und Fenster und Türen

mit Brettern vernagelt, aber es gelang doch immer wieder Unbefugten,

gewaltsam in das Gebäude einzudringen. Damit historisch bedeutsame

Inneneinrichtung nicht zerstört oder gestohlen wurden, hatten die

neuen Eigentümer schon vor der eigentlichen Instandsetzung historisch

wertvolles Inventar wie Innentüren samt Türdrücker, Lampen und

Türschilder sichergestellt. Auch der alte Küchenherd, ein Ofen mit

Herdplatten, wurde zum Restaurieren vollständig auseinander gebaut.

Schnell wurde bei der Planung klar, dass eine oberflächliche

Renovierung - wie ursprünglich erhofft - nicht zielführend sein würde.

Die Bausubstanz war stellenweise so schlecht, dass nur eine umfassende

Instandsetzung vom Fundament bis zum Dach in Frage kam. Die südliche

Giebelfront gar musste vollständig abgerissen und erneuert werden.

 

Eine wichtige Rolle bei der gesamten. Sanierung spielte das

Denkmalschutzamt Harnburg. Bevor die Sanierung überhaupt beginnen

konnte, beauftragte das Denkmalschutzamt einen Restaurator mit der

Bestandsaufnahme der Bausubstanz. "Mit einem Skalpell kratzten die

Fachleute Farbschicht für Farbschicht vom Holz der Tür- und

Fensterrahmen, um hinterher genau sagen zu können, welche Farbe zu

welcher Zeit aufgetragen wurde," schildert Herr Krogmann einige der

Arbeitsschritte der Begutachtung. Dieses offizielle Gutachten war

Basis für die Wiederherstellung des Gebäudes, aber auch für die

Gewährung von behördlichen Zuschüssen. "Ohne das Denkmalschutzamt

würde das Haus heute nicht mehr stehen", räumt der Bauherr ein. "Eine

derart aufwendige Sanierung wäre für mich ohne die behördlichen

Zuschüsse zur denkmalgerechten Wiederherstellung nicht möglich

gewesen." So konnte das Dach wieder mit Schiefer gedeckt und der

hölzerne Zierrat in den Giebeln erneuert werden. Fenster und Haustür

wurden -angepasst an die heutigen Vorschriften für Sicherheit und

Wärmedämmung - rekonstruiert. Der Balkon über der Eingangstür wurde

neu aufgebaut. Im Innern sind die Fußboden-Fliesen in Eingangshalle

und Küche, Holz in den Wohnräumen dem alten Belag nachempfunden. Der

restaurierte Herd steht wieder am Ursprungsplatz in der Küche,

dahinter an den Wänden wieder die alten Fliesen. Das nachträglich

eingebaute Bad im Erdgeschoss ist verschwunden. Und in den vorderen

Räumen des Erdgeschosses erstrahlt die Wandbemalung in neuer Frische,

die Originalbemalung liegt teilweise noch darunter. .Keine Zuschüsse

vom Denkmalschutzamt gab es dagegen für den modernen Wintergarten an

der Westseite des Gebäudes. Um den Grundriss des ehemaligen Wohnhauses

nicht über Gebühr zu verändern, wurden die notwendigen sanitären

Einrichtungen für die geplante gewerbliche Nutzung in den Keller des

Anbaus gelegt. Der einzige, ehemals nur von oben über eine Stiege aus

der Küche zu begehende alte Kellerraum ist heute mit dem neuen Keller

verbunden und birgt die moderne Heizungsanlage. Dort, wo früher das

kleine -später leider baufällige -Nebengebäude stand, führt heute eine

gepflasterte Auffahrt auf das Grundstück. Jetzt bleibt nur noch zu

hoffen, das ein Mieter gefunden wird, der zu würdigen weiß, in welch

geschichtsträchtiges Gebäude er zieht.

Danksagung: Ich bedanke ich mich bei den Nachfahren Lichtwarks, dem

Enkel Friedrich Thomas und seiner Frau Christa, der Urenkelin Frau

Thora Krüger sowie bei Herrn Luis Moreno-Fernandez vom

Denkmalschutzamt.

 

gez. Susanne Hardt

 

Quelle: Unsere Heimat die Walddörfer, 41 Jahrgang, Mai/Juni,Nr.3 / 2003

 

Hier erfahren Sie etwas über die Geschichte der Villa-Lichtwark und der Eigentümer seit 1802.